Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow, Ralph Ueltzhoeffer Textportrait
Michail Gorbatschow, Portrait – Textportrait: Ralph Ueltzhoeffer 2010 [DE] (Text: 12.09.10, Quelle: Wikipedia.org) Biographie: Michail Gorbatschow; Michail Sergejewitsch Gorbatschow (russ. Михаил Сергеевич Горбачёв) * 2. März 1931 in Priwolnoje in der russischen Region Stawropol) ist ein russischer Politiker und war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und von März 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion. Durch seine Politik der Glasnost […] Text: Michail Sergejewitsch Gorbatschow * 2. März 1931 in Priwolnoje in der russischen Region Stawropol) ist ein russischer Politiker und war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und von März 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion. Durch seine Politik der Glasnost (wörtlich: „Offenheit“) und der Perestroika (wörtlich: „Umbau“) leitete er das Ende des Kalten Krieges ein. Er erhielt 1990 den Friedensnobelpreis. Leben [Bearbeiten] Kindheit und Jugend [Bearbeiten] Gorbatschows Eltern waren Bauern in einer Kolchose. Erste Berufserfahrungen sammelte er als Mähdreschermechaniker. Für den Wehrdienst war er untauglich. Nach den offiziellen Biografien studierte Gorbatschow Jura an der Lomonossow-Universität in Moskau und lernte dort seine spätere Frau Raissa († 1999) kennen. Sie heirateten im September 1953 und zogen gemeinsam zurück in seine Heimatregion Stawropol im nördlichen, russischen Kaukasus, nachdem Gorbatschow 1955 sein Studium beendet hatte.[1]. Parteikarriere [Bearbeiten] Gorbatschow im Gespräch mit dem US-Präsidenten Ronald Reagan, 1985.Bereits 1952 trat er im Alter von 21 Jahren in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) ein und agierte von da an 22 Jahre lang als Apparatschik im heimatlichen Stawropol. 1966, im Alter von 35 Jahren machte er seinen Abschluss als Agrarbetriebswirt am Landwirtschaftlichen Institut. Mit seiner Parteikarriere ging es steil aufwärts, 1970 wurde er zum Ersten Sekretär für Landwirtschaft berufen. Im folgenden Jahr wurde er Mitglied des Zentralkomitees. 1972 führte er eine sowjetische Delegation nach Belgien und zwei Jahre später, 1974, wurde er Repräsentant des Obersten Sowjets und Vorsitzender der Ständigen Kommission für Jugendpolitik. Mitglied der Kreml-Führung wurde er nach dem überraschenden Tod seines Förderers F. Kulakow 1978. Gorbatschow wurde dessen Nachfolger als ZK-Sekretär für die Landwirtschaft. Zusätzlich wurde er 1979 Kandidat des Politbüros. Ein weiteres Jahr später nahm ihn das Politbüro im Oktober 1980 als Vollmitglied auf. Während seiner Tätigkeit im Politbüro lernte er Juri Andropow, den Chef des KGB, kennen, der ebenfalls aus Stawropol kam und der Gorbatschow in den kommenden Jahren in seiner Karriere im Parteiapparat unterstützte. Durch seine Position in der Partei wurde ihm erlaubt, auch das westliche Ausland zu bereisen, was seine politischen und sozialen Ansichten stark beeinflusste. 1975 besuchte er mit einer Delegation die Bundesrepublik Deutschland, 1983 führte er eine sowjetische Kommission nach Kanada, um sich mit Pierre Trudeau, dem damaligen Premierminister, und Mitgliedern des kanadischen Parlaments zu treffen. 1984 reiste er nach Großbritannien und sprach mit Premierministerin Margaret Thatcher. Diese war die erste Politikerin im Westen, die den neuartigen Politikstil Gorbatschows erkannte und ihn insbesondere dem misstrauischen US-Präsidenten Ronald Reagan empfahl: „I like Mr. Gorbachev. We can do business together“ (deutsch: „Ich mag Herrn Gorbatschow. Wir können zusammen Geschäfte machen“; 17. Dezember 1984 in einem Interview der BBC[2]). Generalsekretär der KPdSU [Bearbeiten] Michail Gorbatschow und Erich Honecker auf dem XI. Parteitag der SED im April 1986 Parteiführer der KPdSU Nach Breschnew und dem nur kurzzeitig amtierenden Andropow lenkte mit Tschernenko erneut ein schwer kranker, alter Mann die Geschicke der Sowjetunion. Als mögliche Nachfolger waren Vertreter einer neuen Generation im Gespräch, der „Hardliner“ Grigori Romanow aus Leningrad sowie der „Reformer“ Gorbatschow. Am 11. März 1985, dem Tag nach dem Tod des damaligen Generalsekretärs der KPdSU, Konstantin Tschernenko, wurde Gorbatschow mit 54 Jahren zum zweitjüngsten Generalsekretär in der Geschichte der Kommunistischen Partei gewählt. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit startete er durch Vernichten von Weinstöcken und Obstbäumen die größte Anti-Alkohol-Kampagne, die es jemals in der UdSSR gab. Als De-facto-Herrscher der Sowjetunion führte er die Konzepte Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) in die politische Arbeit ein. Dieser Prozess begann während des 27. Parteitages der KPdSU im Februar 1986. Gorbatschow bekannte sich zu den politischen Fehlern der Partei seit Stalins Zeiten und den Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges. Unter seiner Verantwortung wurde u. a. die Existenz des zuvor hartnäckig geleugneten geheimen Zusatzprotokolls zum Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion von 1939 zugegeben, ebenso wie das daran anschließende Massaker von Katyn sowjetischer Truppen gegen die polnische Führungsschicht 1940. Weiterhin sorgte er für den Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan. 1987 kam es zu einer Rehabilitierung von Nikolai Bucharin und weiterer Oppositioneller aus der Zeit der Stalinschen Säuberungen. 1988 wurde Gorbatschow Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets und löste damit Andrei Gromyko als Staatspräsident ab. Am 7. Dezember desselben Jahres hielt Gorbatschow eine Rede vor der 43. UN-Generalversammlung in New York, bei der er einseitige Abrüstungsschritte in Aussicht stellte. Im selben Jahr distanzierte sich Gorbatschow von der sogenannten Breschnew-Doktrin und ermöglichte damit, dass die Länder des Warschauer Pakts ihre Staatsform fortan selbst bestimmen konnten. Die neue Freiheit führte 1989 zu einer Reihe überwiegend friedlicher Revolutionen in Osteuropa. Dies beendete den Kalten Krieg und ermöglichte die Deutsche Wiedervereinigung, an der Gorbatschow zusammen mit Helmut Kohl, George H. W. Bush und François Mitterrand maßgeblich beteiligt war. Gorbatschow erhielt dafür 1990 den Friedensnobelpreis. Präsident der Sowjetunion [Bearbeiten] Am 14. März 1990 wurde Gorbatschow auf einem Sonderkongress der Volksdeputierten mit 59,2 % der Stimmen zum Präsidenten der UdSSR gewählt. Während der traditionellen Maiparade 1990 wurden er und die sowjetische Staatsführung vor dem Kreml ausgepfiffen. Die Demokratisierung der UdSSR und Osteuropas führte zu einer massiven Machtverminderung der Kommunistischen Partei und letztendlich zum Zusammenbruch der Sowjetunion und des gesamten Ostblocks. Auf die Unabhängigkeitsbewegung der baltischen Staaten reagierte Gorbatschow mit militärischer Gewalt, die im Vilniusser Blutsonntag im Januar 1991 gipfelte. Im August desselben Jahres unternahmen einige orthodoxe kommunistische Politiker zusammen mit einem Teil des Militärs einen Putschversuch in Moskau, währenddessen Gorbatschow, seine Frau Raissa und die Leibwache drei Tage unter Hausarrest in einer Datscha im Krimgebiet standen. Dem damals neugewählten Präsidenten der Teilrepublik Russland, Boris Jelzin, gelang es, die sowjetischen Putschisten auszuschalten und die Staatsgewalt zu übernehmen. Damit war die Sowjetmacht in die Hände der Russischen Föderation übergegangen, was einen Tag nach der Niederschlagung des Putsches die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine zur Folge hatte. Während Gorbatschow diese zunächst ignorierte, erkannte er – nach dem Scheitern des Augustputsches de facto durch Jelzin entmachtet – noch im gleichen Monat die Unabhängigkeit der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen an. Obwohl die Ukraine ihre Unabhängigkeit bis zu einem Referendum aussetzte, erklärten bis auf Russland nach und nach auch die anderen Sowjetrepubliken ihre Unabhängigkeit. Insbesondere in den zentralasiatischen Republiken geschah dies jedoch hauptsächlich, um – erfolgreich – der lokalen KP-Führung Macht und Pfründe zu sichern. Gorbatschows in den Folgemonaten unternommener Versuch, die Sowjetunion als eine eher lose Konföderation zu retten, scheiterte am Widerstand der Ukraine, ohne deren Mitgliedschaft auch Russland nicht zu einer neuen Union bereit war. Rücktritt als Präsident [Bearbeiten] Nach dem misslungenen Putsch wurde die Tätigkeit der KPdSU auf russischem Boden durch Boris Jelzin verboten, die Putschisten („Bande der Acht“) wurden festgenommen. Jelzin erließ ein Dekret zum Verbot der Tätigkeit der KPdSU auf russischem Boden während einer weltweit übertragenen Ansprache Gorbatschows vor dem russischen Parlament und unterbrach Gorbatschows Rede zur Verkündung seines Erlasses. Gorbatschow – nicht nur sowjetischer Präsident, sondern zu diesem Zeitpunkt auch noch Generalsekretär der gerade für illegal erklärten KPdSU – wirkte völlig überrumpelt. Diese demütigende Machtdemonstration Jelzins gegenüber Gorbatschow beschleunigte den Abspaltungsprozess der übrigen Republiken, da sich die Entmachtung des Zentralstaates zu Gunsten der Teilrepubliken vor aller Welt eindrucksvoll manifestierte. Es ist fraglich, ob sich Jelzin der vollen Tragweite seiner Handlung bewusst war. Am 25. Dezember 1991 trat Gorbatschow als Präsident der Sowjetunion zurück. Nachsowjetisches Politikengagement [Bearbeiten] Im Westen wird Gorbatschow hoch geschätzt, weil er den Kalten Krieg beendete und maßgeblich am Gelingen der Deutschen Einheit beteiligt war. Zudem kanalisierte er die beim Zerfall des Sowjetreiches frei werdenden Kräfte nach innen, in eine Implosion, anstatt sie in aggressiver Form nach außen dringen zu lassen, etwa in einem Krieg. In Russland ist sein Ruf dagegen weit schlechter als im Westen, weil er nach verbreiteter Meinung den Zusammenbruch der Sowjetunion und die folgende Phase wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit verursacht hat. Bei den Präsidentschaftswahlen 1996 erhielt er weniger als ein Prozent der Stimmen. 1992 gründete Gorbatschow die Gorbatschow-Stiftung, 1993 die Umweltschutzorganisation Internationales Grünes Kreuz. Er wurde Mitglied im Club of Rome. Vor allem seit Anfang des 21. Jahrhunderts kritisierte Gorbatschow die weltweite Machtpolitik der Regierung um George W. Bush. Innenpolitisch versteht er sich als Sozialdemokrat und ist als Vorsitzender von mehreren russischen Parteien dieser Orientierung tätig gewesen. Er kritisiert in Russland den ungezügelten Kapitalismus und sieht heute die Perestroika als sozialdemokratisches Programm, das jedoch durch die radikalen Marktreformen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht zu Ende geführt wurde.[3] Außenpolitisch ist er Vorsitzender des Lenkungsausschusses im Petersburger Dialog, der sich für eine Verbesserung der deutsch-russischen Zusammenarbeit einsetzt.[4] In einer Rede vor dem Deutsch-russischen Forum im Mai 2007 kritisierte Gorbatschow die Jelzin-Politik, die vieles in Russland „zerschlagen“ habe – das dann durch Putin wieder aufgebaut worden sei[5]. Kritisch äußerte er sich Anfang 2008 über Stereotypen und Klischees in der aktuellen Berichterstattung deutscher Massenmedien aus Russland. Er fordert von den örtlichen Korrespondenten ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge und Probleme des Landes und eine größere Themenvielfalt in der Berichterstattung, die er aktuell vermisst.[6]. Am 8. Oktober 2008 gab Gorbatschow die Gründung der Unabhängigen Demokratischen Partei Russlands gemeinsam mit Alexander Lebedew bekannt, der jedoch wenig Chancen bei Wahlen eingeräumt werden. Präsident im Ruhestand [Bearbeiten] Seit dem Ende seiner Präsidentschaft beschäftigt sich Gorbatschow neben der nachsowjetischen Politik vor allem mit Musik. Er veröffentlichte gemeinsam mit der Schauspielerin Sophia Loren und dem Ex-US-Präsidenten Bill Clinton 2004 eine Kinder-CD und erhielt dafür einen Grammy. Seit dem Tod seiner Frau Raissa Gorbatschowa 1999 lebt er unweit seiner Tochter Irina Wirganskaja bei Moskau.[1] Mehrere Londoner Tageszeitungen hatten im März 2008 fälschlicherweise behauptet, er habe sich bei einem Besuch in Assisi zum Christentum bekannt.[7] Gorbatschow stellte aber klar, dass er kein Christ, sondern nach wie vor Atheist sei.[8] Politik [Bearbeiten] Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Hilf bitte der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. Geradezu atypisch für die sowjetische und russische Politik stellte Gorbatschow jedoch seine Herrschaft zumindest pro forma unter das Gesetz. Alle seine Beschlüsse ließ er überprüfen, erst durch das ZK der KPdSU, später durch das Parlament. Dies wurde ihm oft als Schwäche ausgelegt, aber diese Art von Politik gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für einen demokratisch verfassten Rechtsstaat. Sie barg aber auch das Risiko des Scheiterns, da Gorbatschow die Sprengkraft der extrem föderalistischen Sowjetverfassung (Recht auf freien Austritt aus der Union für die Republiken) bei einem Wegfall der zentralistischen Macht der KPdSU offenkundig unterschätzte. Es gelang ihm nicht, hinreichend zentralistische Staatsstrukturen gegen die um ihre Pfründe fürchtenden Führungen der Teilrepubliken und die nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit strebenden baltischen Republiken als Ersatz für den Wegfall des Parteiapparates zu schaffen. Gipfeltreffen vor Malta, 1989.Am 2. und 3. Dezember 1989 traf Gorbatschow vor Malta auf dem sowjetischen Kreuzfahrtschiff Maxim Gorki zu einem Gipfelgespräch mit US-Präsident George H. W. Bush zusammen und betonte dabei: „Der Kalte Krieg ist zu Ende.“ Während der Friedlichen Revolution in der DDR und anderer Auflösungserscheinungen des Ostblocks Ende 1989 (Samtene Revolution in der Tschechoslowakei, Rumänische Revolution 1989) war Gorbatschow von den dramatischen Entwicklungen in der sowjetischen Innenpolitik abgelenkt: Abspaltung nicht nur des Baltikums, sondern auch des Kaukasus, drohender Staatsbankrott und Streiks. So musste er ohne Konzept und Alternativen letztlich die Vorschläge des Westens zur Wiedervereinigung und NATO-Mitgliedschaft Gesamtdeutschlands akzeptieren, obwohl dies ursprünglich nicht von ihm beabsichtigt war. Er erntete dafür jedoch von Seiten Deutschlands eine erhebliche „Friedensdividende“.[9] Seine oft kritisierte Rolle beim bewaffneten Einschreiten sowjetischer Truppen im Baltikum (insbesondere zum Vilniusser Blutsonntag) war hingegen zunächst von der Staatsraison diktiert, letztlich beugte er sich aber dem Volkswillen. Ehrungen und Auszeichnungen [Bearbeiten] 1947 – Orden des Roten Banners der Arbeit 1989 – Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold 1990 – Friedensnobelpreis 1996 – Professor des technisch-praktischen Sektors der Internationalen Akademie der Wissenschaften (AIS) San Marino 1998 – VIVA Comet für Außerordentliche Verdienste um die europäische Jugend 1999 – Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1999 – Großkreuz des tschechischen Ordens des Weißen Löwen 2001 – Goldene Henne Medienpreis von SUPERillu und dem Mitteldeutschen Rundfunk MDR für seine Verdienste um die deutsche Wiedervereinigung 2003 – Euronatur-Umweltpreis der Stiftung EuroNatur für seine Verdienste um die internationale Umweltverständigung 2004 – Grammy zusammen mit Bill Clinton für das Hörspiel Peter und der Wolf 2005 – Point Alpha Preis gemeinsam mit George H. W. Bush und Helmut Kohl 2005 – Augsburger Friedenspreis 2005 – Ehrendoktor der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Wilhelms-Universität in Münster aufgrund seiner „maßgeblichen Beteiligung an der Beendigung des Ost-West-Konflikts“. 2007 – Dr. Friedrich Joseph Haass-Preis des Deutsch-Russischen Forum 2007 – Energy Globe Award: Honorary Award for Livetime Achievement 2010 – Dresden-Preis Zitate [Bearbeiten] Zitat von Gorbatschow, im Treppenausgang der Berliner U-Bahn 55: Gefahren lauern auf diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren.„Bau eines neuen europäischen Hauses“ (ab 1987 in verschiedenen Reden zur Zukunft Europas) „Euch steck ich noch alle in die Tasche“ (ZK-KPdSU-Sitzung im Oktober 1981) Den am häufigsten zitierten Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ (Ost-Berlin, 7. Oktober 1989) hat Gorbatschow selbst, zumindest wörtlich und öffentlich, so nie gesagt. Dieses Zitat entstand, als Gorbatschow sich laut Augenzeugen, darunter Jens Reich, anlässlich des 40. Jahrestags der Gründung der DDR vor einer Menschenmenge in Ost-Berlin auf Russisch folgendermaßen äußerte: „????????? ???????????? ???, ??? ?? ????????? ?? ?????“ („Trudnosti podsteregajut tech, kto ne reagirujet na shisn“). [10] Zu Deutsch: „Schwierigkeiten lauern auf den, der nicht auf das Leben reagiert“. Vor laufenden Fernsehkameras sagte Gorbatschow am 6. Oktober in Ost-Berlin gegenüber Journalisten in den Worten des Dolmetschers: „Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren. Und wer die vom Leben ausgehenden Impulse – die von der Gesellschaft ausgehenden Impulse aufgreift und dementsprechend seine Politik gestaltet, der dürfte keine Schwierigkeiten haben, das ist eine normale Erscheinung.“ [11] Umstritten ist nun, wie es zu der – möglicherweise gewollten – Verschärfung dieses Satzes im Deutschen gekommen ist. Hierzu gibt es folgende Anhaltspunkte: Auf einer anschließenden informellen Pressekonferenz soll Gennadi Gerassimow, der damalige Sprecher Gorbatschows, dessen Gedanken, die Gorbatschow während seines Besuches mehrmals äußerte, auf den Punkt gebracht haben, und zwar zunächst auf Englisch: „Those who are late will be punished by life itself“.[12] Laut Christoph Drösser schreibt Gorbatschow in seinen Memoiren, er habe zwei Tage später Honecker in einem Vieraugengespräch gesagt: „Das Leben verlangt mutige Entscheidungen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.[13] Visitenkarte GorbatschowsVeröffentlichungen [Bearbeiten] In der bibliographischen Internet-Datenbank RussGUS (frei zugänglich) werden zu „Gorbatschow“ ca. 700 Literaturnachweise angeboten (dort suchen unter Formularsuche Sachnotationen:16.2.2/Gorbacev, M*). Ausgewählte Reden und Schriften. Dietz-Verlag, Berlin 1986 ISBN 3-320-00690-8 Ausgewählte Reden und Aufsätze. (5 Bände). Dietz-Verlag, Berlin 1987-1990. ISBN 3-320-01173-1 Reden und Aufsätze zu Glasnost und Perestroika. Verlag Progress, Moskau 1989. ISBN 5-01-002303-2 Das Volk braucht die ganze Wahrheit. Dietz-Verlag, Berlin 1990. ISBN 3-320-01556-7 Umgestaltung und neues Denken für unser Land und für die ganze Welt. Dietz-Verlag, Berlin 1988. ISBN 3-320-01213-4 Die Rede. „Wir brauchen die Demokratie wie die Luft zum Atmen“. Referat vor dem ZK der KPdSU am 27. Januar 1987. Rowohlt, Reinbek 1987, ISBN 3-499-12168-9 Perestroika, die zweite russische Revolution. Eine neue Politik für Europa und die Welt. Droemer Knaur, München 1987, ISBN 3-426-26375-0; erweiterte Taschenbuchausgabe ebd. 1989, ISBN 3-426-03961-3 Glasnost. Das neue Denken. Ullstein, Berlin 1989, ISBN 3-550-07220-1 Das gemeinsame Haus Europa und die Zukunft der Perestroika. Econ-Verlag, Düsseldorf/Wien/New York 1989, ISBN 3-430-13330-0 Der Staatsstreich. Bertelsmann, München 1991, ISBN 3-570-01408-8 Der Zerfall der Sowjetunion. Bertelsmann, München 1992, ISBN 3-570-02068-1 Erinnerungen. Siedler, Berlin 1995, ISBN 3-88680-524-7 ISBN 3-442-72037-0 mit Wadim Sagladin & Anatoli Tschernjajew: Das neue Denken. Politik im Zeitalter der Globalisierung. Goldmann, München 1997, ISBN 3-442-12754-8 mit Daisaku Ikeda: Unsere Wege treffen sich am Horizont. Goldmann, München 1998, ISBN 3-442-75542-5 Wie es war. Die deutsche Wiedervereinigung. Ullstein, Berlin 1999, ISBN 3-550-07005-5 Über mein Land. Rußlands Weg ins 21. Jahrhundert. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46165-4 Mein Manifest für die Erde. Jetzt handeln für Frieden, globale Gerechtigkeit und eine ökologische Zukunft. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2003, ISBN 3-593-37215-0 Literatur [Bearbeiten] Archie Brown: Der Gorbatschow-Faktor. Wandel einer Weltmacht. Insel-Verlag, Frankfurt/Leipzig 2000, ISBN 3-458-17016-2 Karl Held (Hrsg.): Von der Reform des „realen Sozialismus“ zur Zerstörung der Sowjetunion. Das Lebenswerk des Michail Gorbatschow. Gegenstandpunkt-Verlag, München 1992, ISBN 3-929211-00-9 Klaus-Rüdiger Mai: Michail Gorbatschow. Sein Leben und seine Bedeutung für Russlands Zukunft. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2005, ISBN 3-593-37400-5 Gerd Ruge: Michail Gorbatschow. Biographie. S. Fischer, Frankfurt 1990, ISBN 3-10-068506-7.

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