Inge Meysel


Inge Meysel, Portrait – Textportrait: Ralph Ueltzhoeffer 2011 [DE] (Text: 04.06.11, Quelle: Wikipedia.org) Biographie: Inge Meysel (* 30. Mai 1910 in Rixdorf (bei Berlin), heute Berlin-Neukölln; † 10. Juli 2004 in Seevetal-Bullenhausen; eigentlich Ingeborg Charlotte Meysel, vormals Hansen, geschiedene Rudolph, verehelichte Olden) war eine deutsche Schauspielerin […] Text: Inge Meysel (* 30. Mai 1910 in Rixdorf (bei Berlin), heute Berlin-Neukölln; † 10. Juli 2004 in Seevetal-Bullenhausen; eigentlich Ingeborg Charlotte Meysel, vormals Hansen, geschiedene Rudolph, verehelichte Olden) war eine deutsche Schauspielerin. Biografie [Bearbeiten] Schauspielerin in Theater und Fernsehen [Bearbeiten] Die Tochter des deutschen jüdischen Kaufmanns Julius Meysel und seiner dänischen Frau Margarete Hansen begann 1930 ihre Theaterkarriere in Zwickau, Berlin und Leipzig. Zum ersten Mal stand Inge Meysel im Alter von drei Jahren in der Oper Hänsel und Gretel als Engel auf der Bühne. Ihr Debüt gab sie 1930 in Zwickau in der Erstaufführung von Penzoldts Etienne und Luise. In der Zeit von 1933 bis 1945 hatte Inge Meysel Auftrittsverbot. Sie ging in die noch Freie Stadt Danzig und arbeitete als Telefonistin und technische Zeichnerin. Inge Meysel war keine Jüdin, anders als ihr Vater [1]. Ein religiöses Bekenntnis der Schauspielerin ist nicht dokumentiert. Inge Meysels Vater wurde enteignet und überlebte die Zeit bis 1945 in einem Kellerversteck, nachdem er durch Glück einem Deportationsversuch entgangen war, bei dem Reinhard Heydrich persönlich seine Freilassung als Kriegsversehrter des Ersten Weltkrieges anordnete. 1945 kam die 35-Jährige zu Willy Maertens ans Thalia Theater in Hamburg. Die Rolle, die ihr 1959 den Beinamen „Mutter der Nation“ einbrachte, sollte ursprünglich Grethe Weiser spielen: Fenster zum Flur hieß das Berliner Volksstück, in dessen Zentrum die Portierfrau Anni Wiesner stand. Ab den 1960er Jahren stand bei Inge Meysel das Fernsehen im Mittelpunkt. Bekannt wurde sie vor allem in der Rolle der Käthe Scholz in der Fernsehserie Die Unverbesserlichen (1965 bis 1971). Auch mit der Fernsehserie Gertrud Stranitzki (1965) wurde die Popularität der Schauspielerin Inge Meysel enorm gesteigert. In dieser Unterhaltungsserie aus der Feder von Curth Flatow spielte sie eine Schneidermeisterin, die sich nicht nur um ihren Ehemann, sondern auch um die Mitarbeiter und Kunden kümmert. Gesellschaftspolitisches Engagement [Bearbeiten] Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte Inge Meysel 1925 mit einer Rede gegen die Todesstrafe auf einer Kundgebung der Berliner Jungdemokraten. Auch an Protesten gegen den Paragraphen 218 beteiligte sie sich bereits in dieser Zeit. Ende der zwanziger Jahre wechselte sie zu den Jungsozialisten. „Die Jungdemokraten, Burmeister, Lilo Linke und andere, das war mein Freundeskreis! Aber politisch gehörte ich zu den Jungsozialisten.“ (Inge Meysel[2]). Inge Meysel war eine „bekennende“ Naturistin. 1972 unterstützte sie den Wahlkampf von Willy Brandt und 1978 gehörte sie neben Alice Schwarzer und acht weiteren Frauen zu den Klägerinnen im so genannten „Sexismus-Prozess“ gegen den Stern. 1981 lehnte sie das Bundesverdienstkreuz ab, weil es keinen Orden wert sei, dass jemand „sein Leben anständig gelebt hat“. Den Kampf gegen AIDS unterstützte sie durch mehrere Auftritte bei Benefizveranstaltungen. Das, wie auch ihre offene und direkte Art, machte sie bei Schwulen und Lesben beliebt. Im Januar 1987 sprach sie in einem Interview in der Emma über ihre gleichgeschlechtliche Erfahrung: „Männer waren gestrichen, bis 21. Aber da hatte ich schon längst eine Liebesbeziehung zu einer Frau. […] Ich glaube, dass viele Frauen […] merken, dass ihr Zärtlichkeitsbedürfnis durch eine Frau besser ausgefüllt wird.“[1] Dies war jedoch nicht die erste Wortmeldung zu dem Thema, denn schon 1975 sprach sie in einer Theater-Talk-Show nach dem Format des „Heißen Stuhls“ im Hamburger Malersaal über ihr gleichgeschlechtliches Erlebnis.[3] In die Schlagzeilen und somit in eine breitere Öffentlichkeit kam es aber erst ab den 1990ern.[4] 1991 trat sie als prominentes Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben in Erscheinung. Politisch setzte sie sich Jahrzehnte lang für die SPD ein, später auch für die ehemalige Bundestagsabgeordnete Angela Marquardt (damaliges Mitglied der PDS, inzwischen SPD), die sie mit Geld für ein Studium unterstützte. Letzte Jahre [Bearbeiten] Inge Meysel litt seit 2003 an Altersdemenz, spielte dennoch 2004 in einer Folge von Polizeiruf 110 mit – wo sie im 94. Lebensjahr die wehrhafte Greisin Oma Kampnagel darstellte. Ende April 2004 zog sie sich einen komplizierten Trümmerbruch des rechten Oberschenkels zu, der in einer Notoperation mit einem Hüftgelenksmarknagel stabilisiert wurde. Inge Meysel verstarb an einem Herzstillstand in ihrem Haus im niedersächsischen Bullenhausen. Ihre Urne wurde am 23. Juli 2004 in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf im Grab neben ihrem verstorbenen Ehemann John Olden beigesetzt.[5] Filmografie (Auswahl) [Bearbeiten] 1948: Liebe 47; Regie: Wolfgang Liebeneiner 1955: Des Teufels General; Regie: Helmut Käutner 1956: Ein Mann muß nicht immer schön sein 1957: Dr. Crippen lebt; Regie: Erich Engels 1958: Das Mädchen vom Moorhof 1958: Immer die Radfahrer; Regie: Hans Deppe 1958: Nasser Asphalt; Regie: Frank Wisbar 1958: Bobby Dodd greift ein; Regie: Geza von Cziffra 1959: Rosen für den Staatsanwalt; Regie: Wolfgang Staudte 1959: Liebe verboten – Heiraten erlaubt 1960: Das Fenster zum Flur; Regie: Erik Ode 1961: Schau heimwärts, Engel; Regie: John Olden 1961: Ihr schönster Tag; Regie: Paul Verhoeven 1962: Der Biberpelz; Regie: John Olden 1962: Der rote Hahn; Regie: John Olden 1964: Ein Frauenarzt klagt an – Angeklagt: Dr. Thomas; Regie: Falk Harnack 1965–1971: Die Unverbesserlichen; Regie: Claus Peter Witt 1964: Die fünfte Kolonne TV-Serie – Folge: Tivoli; Regie: Theodor Grädler 1965: Gertrud Stranitzki TV-Serie in 13 Folgen; Regie: Georg Tressler 1967: Wenn der junge Wein blüht; Regie: Hans Deppe 1969: Die Ratten; Regie: Peter Beauvais 1969: Ida Rogalski; Regie: Tom Toelle 1969: Wehe dem, der erbt; Regie: Georg Tressler 1970: Keiner erbt für sich allein; Regie: Georg Tressler 1971: Kinderheim Sasener Chaussee TV-Serie in 6 Folgen 1974: Orpheus in der Unterwelt; Regie: Joachim Hess 1974: Eine geschiedene Frau; Regie: Claus Peter Witt 1979: St.Pauli-Landungsbrücken als Gretchen Ebelmann 1980: Bühne frei für Kolowitz; Regie: Ralf Gregan 1981: Die kluge Witwe; Regie: Wolf Dietrich 1981: Der rote Strumpf; Regie: Wolfgang Tumler 1982: Mrs. Harris – Ein Kleid von Dior; Regie: Peter Weck 1983: Wie war das damals?; Regie: Thomas Engel 1984: Die Dame und die Unterwelt; Regie: Rainer Wolffhardt 1984: Wassa Schelesnowa; Regie: Karl Paryla 1984: Das Geschenk; Regie: Marcus Scholz 1984: Mrs. Harris – Freund mit Rolls Royce; Regie: Georg Tressler 1985: Grenzenloses Himmelblau; Regie: Marcus Scholz 1987: Mrs. Harris fährt nach Moskau; Regie: Franz Josef Gottlieb 1988: Neapel sehen und erben; Regie: Marco Serafini 1990: Die Richterin; Regie: Jörg Grünler 1990: Kein pflegeleichter Fall 1995–2004: Polizeiruf 110 1997: Guppies zum Tee 1998: Das vergessene Leben 1999: Die blauen und die grauen Tage 1999: Großstadtrevier (Folge 135) 2000: Oh Tannenbaum 2001: Die Liebenden vom Alexanderplatz; Regie: Detlef Rönfeldt Auszeichnungen [Bearbeiten] 11x Bravo Otto (6x in Gold, 4x in Silber und 1x Bronze, Publikumspreis) der Jugendzeitschrift Bravo (1961-1972) 6x Bambi, Medienpreis der Hubert Burda Medien (1968, 1970-1973, 1990) Goldener Bildschirm (1966) Goldene Kamera (1965 und für das Lebenswerk 1999) Goldener Vorhang des Berliner Theaterclubs Die Hebamme (1975/76) Silberner Bildschirm (1966 und 1967) Bundesverdienstkreuz (1981, ausgeschlagen) (→ Hanseaten und Auszeichnungen) Silbernes Blatt der Dramatiker Union (1985) Boy-Gobert-Preis: Ehrenmaske mit Brillanten Hamburger Medaille für Kunst und Wissenschaft (1990) Ernst-Reuter-Plakette in Silber der Stadt Berlin (1991) Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises (2000) Telestar-Sonderpreis für das Lebenswerk (1995) Schriften [Bearbeiten] Frei heraus – Mein Leben. Beltz Quadriga, Berlin 1991. ISBN 3-88679-195-5 (Autobiographie) Literatur [Bearbeiten] Sabine Stamer: Inge Meysel. Europa, Hamburg 2003, ISBN 3-203-83015-9. Maurus Pacher: Inge Meysel, Die verborgenen Jahre. Ullstein TB-Vlg., 1991, ISBN 3-548-22829-1. Weblinks [Bearbeiten] Literatur von und über Inge Meysel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Inge Meysel in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database Biographie, Notizen Einzelnachweise [Bearbeiten] ↑ a b Inge Meysel. Ein Interview von Alice Schwarzer. In: Emma, Januar 1987: „Das Absurde ist ja auch: Ich bin ja noch nicht einmal eine Jüdin.“ ↑ Interview mit der Mainzer Jungdemokratenzeitung Zündstoff 1989 ↑ Unterhaltung. Heißer Stuhl. In: Der Spiegel 23/1975 vom 2. Juni 1975, S. 138. ↑ Bild, 24. Februar 1992: Mutiges Bekenntnis. Inge Meysel: Ich habe Frauen geliebt; dpa, 1992: „Ich war bisexuell, ich, die ‚Mutter der Nation‘; Bunte, 2001: „Wer nicht bisexuell ist, verpaßt doch das Beste.“

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