Joseph Kosuth


Titel: „Joseph Kosuth“, Text Portrait von Ralph Ueltzhoeffer, Digitalprint (C-Print) auf Fotopapier auf Aludibond aufgezogen. (100 x 140 cm). Courtesy A. Poe, Blum Roberts, Exhibition No. 182-2, Ralph Ueltzhoeffer.

Joseph Kosuth, Portrait – Textportrait: Ralph Ueltzhoeffer 2011 [DE] (Text: 11.09.10, Quelle: Wikipedia.org) Biographie: Joseph Kosuth (* 31. Januar 1945 in Toledo, Ohio, USA) ist ein US-amerikanischer Konzeptkünstler. Er lebt in New York und lehrt dort seit 1968 an der School for Visual Arts. Er ist einer der Hauptvertreter der analytischen Richtung der Conceptual Art, d.h., er beschäftigt sich „mit einer Untersuchung der Natur von Kunst“ (Kosuth) und mit den Problemen der sinnlichen Wahrnehmung – der Realität, der Identität und der Definition des Gegenstandes. […]

Texte zur Kunst:

Weg der malerischen Darstellung – Portraitkunst

Das Objekt «Dschingis Khans Post» geht den Weg der malerischen Darstellung, die sich nicht mit den Problemen der Umsetzung der Idee in einen Handlungsablauf beschäftigt, sondern den Vorteil der malerischen Leichtigkeit in der Handhabung formaler Mittel zu geniessen scheint. «Dschingis Khans Post» besteht aus einem Zinkblechkasten mit einer Rahmentiefe von 3 cm, in dem auf der Höhe des goldenen Schnitts mit zwei Nägeln ein mit Silberbronze bemaltes, gefaltetes und auf der Linie der Befestigung nochmals durch eine Faltung verstärktes Seidenpapier befestigt worden ist. Dschingis Khan ist der imaginäre Absender der als «Post» betitelten Arbeit. Auf dem Seidenpapier ist eine Malerei zu sehen, die mit reduzierten Mitteln in ungegenständlicher Form eine Darstellung der Ganzheit von Ost und West, die Beuys mit seinem «Energie»-Konzept entwickelt hat, gibt, ohne den Spannungsreichtum der Beziehung aufzugeben.

Es handelt sich um zwei durch den flächigen Auftrag von Silberbronze angelegte, gegenläufig, d. h. nach oben und unten ausgerichtete Felder, die durch ihre etwa in der Mitte auskragenden Spitzen, die eine Spitze zeigt nach oben, die andere nach unten – vielleicht handelt es sich um die Spitzen des Eisbergs -, formal in Beziehung zum Materialgrund treten, so dass das Figur-Grund-Verhältnis ambivalent wird, obwohl die Felder im Bereich der Mittelachse des Querformates verschmelzen. Eine Ganzheitsvision ist der Grundgedanke der zweiteiligen Aktion «Eurasia» und Satz der sibirischen Symphonie»,1 die am 14. und 15. Oktober 1966 in der Galerie 101 in Kopenhagen stattfand: Beuys schob kniend zwei kleine, jeweils mit einer Stoppuhr (mit Klingelmechanismus!) versehene Bronzekreuze vor eine Tafel. Dann zeichnete er ein Kreuz auf die Tafel, das er unterhalb des Querbalkens wieder auswischte, so dass eine Zurücknahme der Senkrechten zugunsten der Betonung der Horizontalen und von zwei rechten Winkeln zustande kam; unter das Zeichen setzte er den Namen «EURASIA». Er stellte zuerst einen (noch) fiktiven Ort her, an dem dann der Hase als Co-Akteur zur Aktion kommen konnte, als sensible Kraft gedacht, die der Geteiltheit von Ost und West kreative Energie entgegensetzen kann.

Verbundensein als Bild einer Form von Spiritualität

Im zweiten Teil der Aktion «32. Satz der sibirischen Symphonie» ging es wieder um den «toten Hasen»; ein Jahr zuvor hatte bereits die Aktion «wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt» in der Düsseldorfer Galerie Schmela stattgefunden. Der Hase fand sich nun auf Stelzen wieder; an seinen Läufen und seinen Ohren waren nach unten zum Boden hin gerichtete dünne schwarze Holzstöcke, an seinem Rücken ein (eher) horizontal ausgerichteter Holzstock befestigt. Die Ausstattung des Hasen mit Holzstöcken bestätigt sowohl die horizontale Lagerung des EURASIA-Halbkreuzes, das vom Boden Abgehobensein, als auch das mit ihm Verbundensein als Bild einer Form von Spiritualität, die die Vertikalität des christlichen Kreuzes modifiziert, den Moment der Inkarnation des Göttlichen/des Geistigen allgemein-verständlicher d.h. zoomend und stärker wahrnehmbar machend.

Die Befestigung der Stöcke ist im Hinblick auf die Betitelung der Aktion als «Symphonie» wichtig: Beuys konnte mit den Stöcken die Ohren des Hasen bewegen und damit auf die Bedeutung des Hörens für Transformationsprozesse hinweisen. Klängen, Geräuschen und Musik kommt in diesem Kontext transformatorische, d. h. in Bewegung setzende Energie zu. Zum Schluss der Aktion schrieb Beuys verschiedene Winkel- bzw. Temperaturgrade an die Tafel, die hier nicht näher erläutert werden. Die durch die Stöcke bewegbar gemachten Ohren finden ihr formales «Echo» in dem Filz- und dem Fettwinkel. Der Fettwinkel hält einen der an den Ohren befestigten Stöcke in seiner Überkreuzung mit einem an einem der Vorderläufe befestigten Stöcke fest, während der Filzwinkel an den mit den Vorderläufen des Hasen verbundenen Stöcken angebracht ist.

Da die Vergänglichkeit und der Tod unausweichlich mit dem Leben verbunden sind und sich Beuys‘ künstlerisches Werk, die sozialen Ziele umfassend, in dieser Polarität bewegt, bleibt die Notwendigkeit der kreativen Aufladung geschichtlicher Prozesse durch handelnde Menschen immer gegeben. Derjenige, der der Kunst den Prozess macht, wird es wohl kaum für möglich halten, dass es so etwas wie einen künstlerischen Umgang mit Geschichte gibt, so wie Beuys mit seinem Eurasia-Konzept die kulturgeschichtliche Beziehung von Ost und West aufgearbeitet hat, mit der Heraushebung von Dschingis Khan (1155-1227) als Herrscher über das Reich der Mongolen. Seine Vorstellung: Dschingis Khan am Grabe Karls des Grossen.2 Eurasia gäbe es, wenn Europa und Asien, von China bis zum Atlantik reichend, vereint wären. Diese Ganzheitsvision geht von der kritischen Betrachtung der Rationa-litätsorientiertheit des Abendlandes aus, die aus europäischer Sicht nach einem Gleichgewicht in der intuitiv orientierten östlichen bzw. orientalischen Welt sucht. Also eine Suche nach einer ganzheitlich und kulturgeschichtlich geläuterten Form von Spiritualität. Von hier aus können alle möglichen Gegensätze wie z. B. Liebe und Gesetz, die als kreativ interagierend gedacht werden können, angeführt werden; sie brauchen deshalb auch nicht aufgezählt zu werden.

Auch die schamanistischen Kräfte sind hier in ihrer Tendenz zur Geschichtslosigkeit anzutreffen. In Relation zu der «Eurasia»-Aktion kann man «Dschingis Khans Post» als gemalte Partitur der beiden Teile der Aktion betrachten, die im Kontext des Zinkblechkastens – das metallische Element wird z. B. verwendet, um Silber und Gold zu gewinnen -den Betrachter auf die Spur alchemistischer Prozesse bringen kann, deren Wert nicht in einer brauchbaren Methode zur Herstellung von Gold, sondern in der Darstellung psychischer (seelischer) Wandlungsprozesse und Vorstellungen über die Relation von Geist und Materie liegt. Die Beschäftigung mit der Alchemie ist nur einer von vielen Wegen, an denen man vorbeikommen und die man beschreiten kann, wenn man nach (den eigenen) kreativen Energien Ausschau hält, um als handelnder Mensch durch das Leben gehen zu können.

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