Web 2.0 – Ralph Ueltzhoeffer – Internet Kunst

Portrait Installation: Ralph Ueltzhoeffer (MoMA New York).
Installationsansicht/Installation View: „Web 2.0“, (Textportraits) Ralph Ueltzhoeffer.

“Web 2.0“ (2011) von Andrea Schumann (KUNST MAGAZIN).

Schon beim Betreten des Ausstellungsraumes wird man unmittelbar dazu gezwungen, seine Sehschwäche schnell zu korrigieren. Ein hektisches Kramen und Suchen nach Brillen in Taschen und Mänteln wird angesichts der Fülle an Texten unerlässlich. Die Portraits, die sich in Schrift äußern, sprechen die Sprache des World-Wide-Web. Ein scheinbar geordnetes Chaos, wie man es vom Internet her über Jahre hinweg erlernt hat. Lenin verdrängt Mahatma Gandhi, Bob Dylan und Angela Merkel in unerträglicher Nähe, Coco Chanel und Ernest Hemingway scheinen sich also irgendwie zu ergänzen und Michail Gorbatschow teilt den Platz mit Max Schmeling. (Joseph Beuys Portrait)

Mit dem Ausstellungstitel „Web 2.0“ hat der Mannheimer Konzeptkünstler Ralph Ueltzhoeffer Internet spezifische Abläufe sowie Erscheinungsformen des World-Wide-Web als Raum-Installation visualisiert. Die Besucher der Ausstellung verweilen sich ungewöhnlich lange an den lesbaren Fotoprints, die unmittelbar auf die Wände aufgetragen wurden. Der öffentliche Charakter der Arbeiten von Ralph Ueltzhoeffer erschließt sich in der Tatsache, das Internet nicht nur als Präsentations- und Verkaufsplattform zu sehen, sondern selbst zu Kunst werden zu lassen. Die sogenannten „Textportraits“ sind Bausteine des Internets, die auf eine ganz einfache, aber logische Weise zueinander gefunden haben und in dieser Form den visuellen Aspekt eines schnelllebigen Mediums erfüllen. Eine neuartige und dennoch nicht ungewöhnliche Art des Portraitierens, die mehr ihrer eigenen Logik folgt, als betulicher Gelassenheit.

Portraitkunst aus Bits und Bytes, Nullen und Einsen. Die biographischen Texte entstammen größtenteils der freien Enzyklopädie Wikipedia, wurden also von vielen Menschen zusammengetragen und korrigiert. Anonyme Kürzel im World-Wide-Web, die zum Teil uneigennützig Texte schreiben und verändern. Füge zusammen, was zusammen gehört – ein lesbares Portrait von Ralph Ueltzhoeffer. (Pressetext)

Installationsansicht: Ralph Ueltzhoeffer - Textportraits
Installationsansicht: Ralph Ueltzhoeffer, Marietta Neuss, London.

Ralph Ueltzhoeffer - Installation Portraits (Textportraits)
Titel (Ausstellung/Installation) „Web 2.0“ – Internet und Kunst.

Rauminstallation Portraits (Textportraits).
Rauminstallation: Textportraits (Ralph Ueltzhoeffer).

Ralph Ueltzhoeffer at Neuss London

View: Exhibition at Marietta Neuss, London (Ralph Ueltzhoeffer).

YouTube: Andy Warhol Portrait (MoMA Projects Series – Installation)

Texte zur Kunst (Von Sofia Wächter)

In seinem Werk, den Zeichnungen und Objekten, den gros-sen Skulpturen und Rauminstallationen, steht die Antwort, was Beuys getan und was er bewältigt hat, geschrieben: Es ist der Realismus eines Menschen und seiner Zeit, der noch einmal einem uralten Projekt Bilder der Zukunft gab. Denkbar immerhin, dass wir angesichts der Macht normativer Vorstellungen diese utopischen Formationen gegen die schiere Rationalität noch nicht verstehen, oder angesichts eines allzubereiten Konsensbedürfnisses nicht mehr verstehen wollen; dass uns ihre Gegenwart des Todes ängstigt. Die Kräfte, die sie ansprechen, rekonstruieren ja keine irreversible Geschichte der Atavismen, der persönlichen Mythologien, aber sie zeigen das Licht der Evolution, in deren Verlauf die Menschen ihre Pläne zunehmend ohne die Lebenswahrheiten von Mythen und Natur zu machen verstanden. Der Mensch weiss noch immer nicht zu sprechen, seine Natur ist ein Fragment und seine Botschaft die Entfremdung. In den Arbeiten von Joseph Beuys wird symbolisch und gleichnishaft der elementare prozesshafte Sinn der Welt beschworen. Das Gedankliche verbindet sich mit den Stoffen in schier grenzenloser Phantasie. Aber diese andere Welt war für Beuys auch unsere Welt. Ihr Echo ist die Permanenz des Aufschlusses.

Schon als junger Künstler hatte Beuys den Mut, die Karte eines Landes zu entwerfen, welches die Kunst noch nicht kannte. Jenseits ihrer Formalisierungen, jenseits aller Ismen und Schulen wagte er Abenteuer, in welchen das Denken als Begriff aller Schöpfungen das Mass seines Tuns wurde. Diese Arbeiten sind im Verborgenen entstanden und es lange geblieben. Erst in den sechziger Jahren, als Europa die postabstrakte Bewegung und die Pop Art Amerikas begeistert aufnahm und feierte, entstand gleichzeitig auch eine Öffentlichkeit für dieses Werk. Die Arbeiten des Joseph Beuys waren damals die krassesten aller denkbaren Gegenentwürfe und sind es noch heute. Sie mussten ganz natürlich als Position eines Einzelnen auf das immer vorhandene Unverständnis, auf Widerstand stossen. Aber hatte man nicht auch James Joyce einst vorgeworfen, unverständlich zu sein, in «Finnegan’s Wake» zu weit gegangen und jedes Mass verloren zu haben? Kaum ein Werk in seiner Zeit hatte sich in diesem Jahrhundert gegen den Konsens allgemein akzeptierter, so ganz und gar anderer Kunstrichtungen zu beweisen. Heute, 25 Jahre nach jener denkwürdigen Ausstellung in Mönchengladbach, verblasst so manches andere Bild dieser Zeit, und wir spüren zumindest, dass das Werk von Beuys uns gefangenhält, dass in der Beharrlichkeit seiner Thematik eine faszinierende Lebendigkeit bleibt, eine Lehre, nicht abweichend von der des «Polybios unter den Römern, der die Verpflichtung zum Belehren so ruhig anerkannte wie die Verzweiflung und die Würde des Todes» (W. Jens). Joseph Beuys hat sein Abenteuer bestanden. Auch im Wechsel kommender und gehender sozialkritischer Ideen, von der Kunst einmal ganz abgesehen, wird es im Bild des unfertigen Menschen auf dessen Fähigkeit zur Einsicht beharren.

Der Bildhauer Joseph Beuys, der uns mit jeder neuen Skulptur zum Nachdenken brachte, war ein ebenso grandioser Zeichner. Seine graphischen Arbeiten hatten es leichter, von uns angenommen zu werden, aber vielleicht täuschen wir uns hier. Sprechen diese Zeichnungen in ihrer spröden Anmut von fliessenden und fliehenden Botschaften, von kosmisch ausgreifenden Strukturen, immer vertrauen sie sich ganz der Intuition an, dass sich die Phantasie der Gedanken nur in der Wahrheit auch als das Schöne, als Ästhetik zeigen wird. Um Ästhetik allein ist es Beuys nie gegangen. Viele dieser Zeichnungen auf den ärmlichsten, gebrauchten, eben gerade greifbaren Papieren scheinen in einer anderen Zeit entstanden. Nirgendwo Spuren, Referenzen, ein verborgener Brückenschlag zu dem, was sich unmittelbar in der Kunst ihrer Entstehungszeit ebenfalls ereignete. Die Konventionen und Paradigmen einer sogenannten Stilentwicklung waren nie das Ziel dieses Künstlers. Diese Zeichnungen hätten vor vielen, vielen Jahren, aber auch im Jahr 2200 entstehen können. Sie hätten zu jedem Zeitpunkt Erstaunen hervorgerufen, aber immer hätte es dieser einmaligen Wanderungen bedurft, die Joseph Beuys gegangen ist. Elch und Schwan, Blume und Hogan, der Komet, die Gestirne, Mars und Saturn, die Chemie und das Blut, der Sonnentau und die schwefelgelbe Flechte, der Hirte und die Seherin, das Werden und das Vergehen haben in Beuys die Stimme ihres grossen Mysteriums gehabt. Aber Beuys hat dieses Gedächtnis in Gleichnis und Analogie als Krisis der verlorenen Ganzheit vorgeführt, in einem Prozess, der alle Erfahrungen hinter sich lässt, um noch einmal von vorn mit unerhörter Sensibilität den eigenen Weg bis in den Tod zu zeigen. Seine Anschauung verharrt nicht, sondern probt, was er findet, auf zukünftigen Wegen aus. Transsubstantiation, die Umwandlung, ist sein Schlüsselwort. Beuys hatte die Gabe, aus organischen Strukturen der reinen Linie eine ungemein plastische Aussagekraft zu formulieren. Sie versuchte, der Reproduktionssuggestion semiotischer Konventionen zu entkommen. Nicht die Linie wollte dieser Künstler entwickeln, sondern das Gewebe der subjektiven Aneignung und Durchdringung. Die Disjunktion und das unmögliche Thema, das keinen Ausweg duldete, führten das Zeichnen in wahre Labyrinthe der Entdeckungen. Im Zeichnen mag einzig die Rätselhaftigkeit des Lebens selbst begründet sein, die Notwendigkeit der eigenen autobiographischen Erprobung. Man ahnt geradezu, wie diese Sprache Versuch auf Versuch wagt, physiologischen Substanzen zu folgen und erfinderisch aus der Sphäre mächtiger Erzeugungskraft Erkenntnisse zu gewinnen sucht. Gar manche dieser Metamorphosen sind ätherisch nur, fliessend ohne Halt, Beschwörungen, sterbend schon im Anfassen. Alles in dieser Welt der Zeichnungen drängte nach Aussagen, die dem Menschen versagt sind. Initiation ist ihr Herz, die geistige Anschauung ihre Landschaft. Sie führt uns weit fort in die Topographie fremder Gefilde, dorthin, wo nicht der Mensch, sondern die Natur es ist, die mit sich selbst durch den Menschen spricht, ohne dass dieser sich dessen bewusst wird. Diese Welt noch einmal zu evozieren, noch einmal den fliehenden Stoffen ihr Geheimnis stummer Beziehungen und Signaturen zu entreissen, war der grosse Versuch und Aufstand gegen die «Todeswe/’/ie der Gesellschaft» (J. B.). Joseph Beuys muss in seiner Arbeit diesen Versuch als Zauber, vielleicht als Versöhnung erlebt haben, aber sie musste zugleich auch die Nachtseite der möglichen Vergeblichkeit dieser Aufklärung sein.

Unwahrscheinlich, dass er angesichts unserer Zeit je davon überzeugt war, Licht in mehr als einige Köpfe zu werfen. Ich wünschte, dass diese Agonie nicht so schwer dieses Leben mitgegangen ist, und Joseph Beuys ahnte, dass die Zeit erst später, viel später auf seiner Seite gehen wird.

«Filz und Fett von dem Mann mit dem Hut», das waren die unzureichenden, manchmal gar haarsträubenden Formeln, die die Skulpturen von Joseph Beuys begleitet haben. Nur langsam entstand das Empfinden für ihre Bedeutung. Freunde, wie die Brüder van der Grinten, hatten sich von Anfang an dazu bekannt. Wenige waren zu diesem Bekenntnis fähig. Viele taten sich schwer, und andere glaubten wie immer, es besser zu wissen. Manch einer, das zeigen noch jüngste Anmerkungen, weiss auch heute noch nicht, dass dieser Künstler schon lange nicht mehr zu haben war, für die «schrittweise» erfolgten «Techniken und Texte» einer sogenannten Gemeinschaft «intersubjektiver Konventionen»! Beuys hatte den verbrauchten Glanz dieses sich selbst fortschreibenden Projekts erkannt (aber dazu benötigte er nicht den überbau des «unbegründeten Volksglaubens»).

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15 Antworten zu “Web 2.0 – Ralph Ueltzhoeffer – Internet Kunst

  1. Hallo Ralph, alter Freund
    melancholische Gefühle, alte Zeiten…………
    Wie geht es dir???????????
    Liebe Grüße
    Sus

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