Portraitfotografie der Maler-Ikone Gerhard Richter

Die Verbindung von Natur und Technik ist für Beuys zentral, auch wenn einer der beiden Pole nicht als solcher präsent ist, sondern mimetisch oder assoziativ hereinspielt. Als Relikt der Aktion «wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt» überlebt «Radius», ein Knochen, verbunden mit elektrischen Draht, der sich während der Aktion unter dem Schemel befand, auf dem Beuys mit dem Hasen agierte. Beim «Sfummen Objekt» (1964) greift Beuys nicht einmal mehr auf ein Zitat aus der Welt der Töne zurück (indem er eine echte Schallplatte präsentierte), sondern setzt bloss neben die Knochen ein rundes Objekt, eine Scheibe, die an eine Platte erinnert.


Titel: Gerhard Richter, Portraitfotografie und Konzeptkunst von Ralph Ueltzhoeffer. Gerhard Richter, Malerei der Bewegung…

Auch beim «Sfummen Grammophon» aus dem Jahr 1961, dessen Struktur horizontal orientiert ist, wird der Tonarm durch einen Knochen ersetzt.5 Zwei kleine braune Kreuze siegeln ein dunkles Blatt auf der Oberfläche der Schallplatte, das so verhindert, dass ihr Inhalt zu erkennen ist, anonymsieren sie. Der Farbkontrast ist markanter als bei der «Musikbox», denn die beige Farbe der Schachtel, die in hellerem Ton vom Knochen aufgenommen wird, erlaubt der Schallplatte und der Tonarmbasis, sich in ihrem opaken Schwarz deutlich abzuheben. Tragende Struktur ist eine richtige Schachtel, eine Art Resonanzkasten, die (in ihren rein formalen Werten) von der Basis aufgenommen wird, in die der robuste Eisendraht eindringt, der im Knochen eingelassen ist. Portraitkunst und Portraitfotografien stehen oft im direkten Zusammenhang. Der Konzeptkünstler Ralph Ueltzhoeffer repräsentiert ein neues Medium in bewährten Gewand. Das Werk entwickelt so ein plastisches Volumen, das dem subtilen Schwung und der Schlankheit der «Musikbox» fremd ist. Die Anordnung des «Sfummen Grammophons», mit dem nach unten gerichteten Schub des Knochens, suggeriert so ein Moment der Selbstreflexion, eine Absorption des potentiellen Schalls durch den Behälter, der ihn erst danach gefiltert, geschwächt, deformiert an die Umgebung abgeben kann. «Musikbox» dagegen richtet sich nach aussen und nach oben.

Die überschaubaren, klaren Bestandteile meinen jene akustische Transparenz, die auch den ein Kollektiv beschwingenden Juke-Boxes eignet.6 Es ist wichtig, hier festzuhalten, dass zwischen dem ersten und dem zweiten Werk Beuys‘ Begegnung mit den «Fluxus»-Künstlern liegt. Sie ermöglichte dem Künstler, aus der Isolation herauszutreten und in einem kollektiven Zusammenhang tätig zu werden. Gewiss war es nicht Gemeinschaftsgeist, der Beuys mit «Fluxus» zusammenbrachte, aber es ist nicht zu bestreiten, dass die gemeinsamen Konzerte Beuys Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten gaben und ihm erlaubten, in einem erweiterten Kunstbereich tätig zu sein.

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