Hanna Schygulla

Hanna Schygulla, Ralph Ueltzhoeffer Textportrait
Hanna Schygulla, Portrait/Porträt – Textportrait – Biographie: Ralph Ueltzhoeffer 2010 [DE] (Text: 11.06.10 Wikipedia.org) Hanna Schygulla (* 25. Dezember 1943 in Königshütte, Oberschlesien) ist eine deutsche Schauspielerin […] Text: Hanna Schygulla (* 25. Dezember 1943 in Königshütte, Oberschlesien) ist eine deutsche Schauspielerin. Leben [Bearbeiten] Geburtshaus von Hanna Schygulla. Die Tochter des Holzhändlers Joseph Schygulla und seiner Frau Antonie, geb. Mzyk, kam 1945 mit ihrer Mutter nach München, der Vater kehrte 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Nach dem Abitur am Luisengymnasium in München und einem Jahr als Au-pair-Mädchen in Paris studierte sie ab 1964 Germanistik und Romanistik und nahm gleichzeitig Schauspielunterricht in München am Fridl-Leonhard-Studio. Rainer Werner Fassbinder, der sie von der Schauspielschule her kannte, holte sie im September 1967 an sein Action-Theater. Sie spielte dort und vor allem im folgenden Antiteater in zahlreichen Inszenierungen. Nach einigen kleineren Filmrollen wurde sie im April 1969 von Fassbinder in seinem Filmwerk Liebe ist kälter als der Tod eingesetzt. Von da an spielte Hanna Schygulla bis 1972 mit einer Ausnahme in allen Fassbinder-Filmen und vielen seiner Theaterstücke. Ab 1974 löste sie sich von der Fixierung auf Fassbinder und spielte in zahlreichen Filmen anderer Regisseure. Sie ging auch auf Theatertourneen und übernahm Rollen in klassischen Theaterstücken wie Rose Bernd. 1978 kam es erneut zur Zusammenarbeit mit Fassbinder in dem Film Die Ehe der Maria Braun. Von da an galt sie als eine Schauspielerin von Weltrang und bekam internationale Angebote. Sie trat in französischen, italienischen und amerikanischen Filmen auf. Ab den 90er Jahren wurde sie auch als Chansonsängerin bekannt und gefeiert. Unter anderem tourte sie mit einem Brecht-Abend, in dem sie auf spanisch sang und rezitierte, durch Europa. Im Jahr 2002 wirkte sie im Projekt VB51 der Künstlerin Vanessa Beecroft mit. In den letzten Jahren arbeitete Schygulla vor allem mit Filmregisseuren der jüngeren Generation, etwa mit Hans Steinbichler in Winterreise (2006) und mit Fatih Akin in Auf der anderen Seite (2007). Für letzteren Film wurde sie als Beste Nebendarstellerin für den Deutschen Filmpreis 2008 nominiert und gewann in der gleichen Kategorie als erste deutsche Schauspielerin den National Societey of Film Critics Award.[1] Hanna Schygulla lebt seit 1981 in Paris. Filmografie [Bearbeiten] Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter (1968) Jagdszenen aus Niederbayern (1969) Das Kuckucksei im Gangsternest (1969) Katzelmacher (1969) Liebe ist kälter als der Tod (1969) Götter der Pest (1970) Warnung vor einer heiligen Nutte (1970) Warum läuft Herr R. Amok? (1970) Pioniere in Ingolstadt (TV, Regie: Rainer Werner Fassbinder) (1970) Whity (1971) Jakob von Gunten (1971) Händler der vier Jahreszeiten Die bitteren Tränen der Petra von Kant (1972) Fontane Effi Briest (1974) Katzensteg (1975) Falsche Bewegung (1974/1975) Ansichten eines Clowns (1975) Die Dämonen (1977) Die Ehe der Maria Braun (1978) Die dritte Generation (1979) Lili Marleen (1980) Berlin Alexanderplatz (1980) Die Fälschung (1981) Die Flucht nach Varennes (1981/1982) Antonieta (1982) Passion (1982) Die Geschichte der Piera (1982/83) Heller Wahn (1983) Die Zukunft heißt Frau (1984) Barnum (1986) Delta Force (1986) Eine Liebe in Deutschland (1983) Miss Arizona (1987) Forever, Lulu (1987) Der Sommer mit Frau Forbes (1988) Abrahams Gold (1990) Schatten der Vergangenheit (1991) Der Daunenträger (1992) Madame Bäurin (1993) Hundert und eine Nacht (1994) Pakten – The Sunset Boys (1995) Lea (1996) Black out (1998) Das Mädchen deiner Träume (1998) Die Werckmeisterschen Harmonien (2000) Für mich gab’s nur noch Fassbinder (2000) Suche orientalischen Mann (2001) Die blaue Grenze (2004) Das unreine Mal (2006) Winterreise (2006) Auf der anderen Seite (2007) Diskographie [Bearbeiten] Hanna Schygulla chante/singt Hanna Schygulla mit Orchester Peer Raben „Lili Marleen“/Peer Raben „Thema Willie Part 1″ 7“ Single on PHILIPS 6005 120 FROM 1981 Veröffentlichungen [Bearbeiten] Lothar Schirmer (Hrsg.): Du … Augen wie Sterne. Das Hanna Schygulla Album. Schirmer/Mosel, München 2004, ISBN 3-8296-0124-7. Auszeichnungen [Bearbeiten] 1970: Schwabinger Kunstpreis 1970: Filmband in Gold (Darstellung) für Liebe ist kälter als der Tod, Katzelmacher und Götter der Pest im Ensemble 1971: Filmband in Gold (Darstellerin) für Whity und Mathias Kneißl 1975: Filmband in Gold (Darstellung) für Falsche Bewegung im Ensemble 1979: Silberner Bär auf der Berlinale 1979 (Darstellerin) für Die Ehe der Maria Braun 1979: Filmband in Gold (Darstellerin) für Die Ehe der Maria Braun 1983: Internationale Filmfestspiele von Cannes 1983 (Beste Darstellerin) für Die Geschichte der Piera 1983: David di Donatello für Die Geschichte der Piera 1984: Bambi (Frau des Jahres) 2000: DIVA-Award 2005: Ehrenpreis für Filmkunst in Deutschland 2005: Hessischer Filmpreis (Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten) 2007: 44. Filmfestival in Antalya (Ehrenpreis) 2007: 21. Internationales Filmfest Braunschweig: Europäischer Schauspielpreis Die Europa 2008: Beste Schauspielerin auf dem 10. RiverRun International Film Festival in Winston-Salem, North Carolina für Auf der anderen Seite. 2009: National Society of Film Critics Award als Beste Nebendarstellerin für Auf der anderen Seite Siehe auch [Bearbeiten] Rainer Werner Fassbinder Lili Marleen ist ein Film von Rainer Werner Fassbinder, der im Jahr 1981 veröffentlicht wurde. Das Drehbuch entstand unter Verwendung des Romans Der Himmel hat viele Farben von Lale Andersen. Gemäß Lale Andersens letztem Ehemann Artur Beul hat die Filmhandlung mit ihrem wirklichem Leben jedoch nicht viel gemeinsam. Handlung [Bearbeiten] Der Film spielt zur Zeit des Dritten Reichs und handelt von der Liebe zwischen der deutschen Sängerin Willie und dem jüdischen Schweizer Komponisten Robert Mendelsson (als Vorlage dient hier Rolf Liebermann), der aktiv als Mitglied einer Untergrundgruppe versucht, deutschen Juden, Flüchtlingen vor dem Nazi-Regime, zu helfen. Als er Willie anbietet, mit ihr zusammen Widerstand und Hilfe zu leisten, befürchtet Roberts wohlhabende und einflussreiche Familie, dass auch Willie eine Nationalsozialistin sei und so ein Risiko für ihre Fluchthilfe darstellen könnte. Eines Tages hilft Willie Robert dennoch, muss allerdings in Deutschland bleiben, da die Schweiz ihr die Wiedereinreise auf Betreiben von Roberts Vater verwehrt. Willie wird in Deutschland vom NS-Kulturbeauftragten Henkel groß herausgebracht mit dem Soldatenlied Lili Marleen, sie wird reich und berühmt, das Lied wird täglich für die Soldaten gespielt. Trotz der Beziehung zu ihrem Pianisten Taschner kann sie jedoch niemals Robert vergessen und hilft diesem auch in seinen Widerstandsbemühungen. Sie nimmt Kontakt zu einer Untergrundgruppe in Berlin auf und schickt heimlich Fotos von Konzentrationslagern in die Schweiz, die später Robert zur Freilassung verhelfen. Als Robert Willie besuchen will, wird er festgenommen und kann mit Mühe entkommen. Sie werden sich bis zum Ende des Kriegs nicht wiedersehen. Auch danach gibt es kein glückliches Ende für das Liebespaar, da Robert inzwischen Myriam geheiratet hat und als Dirigent Erfolge feiert. Kritiken [Bearbeiten] Heyne Filmlexikon: Das Lied ‚Lili Marleen‘ gefällt dem Führer so gut, dass er der Sängerin Willie eine Villa schenkt. Meisterliche Verschmelzung von Melodram und Zeitgeschichte. Lexikon des Internationalen Films: Weithin frei gestaltete kolportagehafte Geschichte um den Erfolg des Liedes „Lili Marleen“ und dessen Sängerin. Der Halbherzigkeit geballter Manieriertheit der Inszenierung wegen eher langweilig als menschlich oder politisch interessant. [1] Vom Star des jungen deutschen Films zum deutschen Weltstar entwickelte sich die Schauspielerin Hanna Schygulla. Sie wurde in den 1970er Jahren vor allem durch ihre Auftritte in Filmen des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) bekannt. Später wirkte sie erfolgreich in zahlreichen internationalen Produktionen mit und begann eine neue künstlerische Karriere als Chansonsängerin. Hanna Schygulla kam am 25. Dezember 1943 in Kattowitz (Oberschlesien) als Tochter des Holzhändlers Joseph Schygulla und seiner Frau Antonie, geb. Mzyk, zur Welt. 1945 zog sie mit ihrer Mutter nach München, der Vater kehrte 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Nach dem Abitur am Luisengymnasium in München arbeitete sie ein Jahr lang als Au-pair-Mädchen in Paris. Ab 1964 studierte Hanna Schygulla, die ursprünglich Lehrerin werden wollte, Germanistik und Romanistik in München. Hanna Schygulla Foto: Edmond Frederik 1966/1967 nahm sie nebenbei Schauspielunterricht am „Fridl-Leonhard-Studio“, wo sie Rainer Werner Fassbinder kennen lernte. Der Regisseur war eines der großen Talente des neuen deutschen Films, schuf markante Produktionen für Bühne, Film und Fernsehen und schockierte nicht selten durch die Wahl seiner Themen. Im September 1967 arbeitete Hanna Schygulla am Münchener „Action-Theater“, das im Juni 1968 aus „feuerpolizeilichen“ Gründen geschlossen wurde. Nach Meinung des Ensembles geschah dies aus politischen Gründen. Daraufhin gründete ein Teil der Gruppe – darunter Hanna Schygulla, Peer Raben und Rainer Werner Fassbinder – das „antiteater“ in München. Dort wirkte Hanna in der Bearbeitung des Stückes „Antigone“ von Peer Raben als eine von vier Antigones mit. Auf der Leinwand war Hanna Schygulla erstmals in dem Kurzfilm Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter (1968) von Jean-Marie Straub zu sehen. Dann folgten die Streifen Jagdszenen aus Niederbayern (1969) von Peter Fleischmann und Liebe – kälter als der Tod (1969) von Rainer Werner Fassbinder. 1970 erhielt die viel versprechende Nachwuchsdarstellerin das „Filmband in Gold“ für Liebe – kälter als der Tod, Götter der Pest und Katzelmacher (alle drei 1969). Ein weiteres „Filmband in Gold“ nahm sie für Whity (1970) und Mathias Kneissl (1970/1971) entgegen. Einem größeren Publikum in Deutschland wurde Hanna Schygulla in Fassbinders Fernsehserie Acht Stunden sind kein Tag (1972) bekannt. 1972 sah man sie auch in den TV-Filmen Bremer Freiheit, Haus am Meer und Wildwechsel auf dem Bildschirm. Den ersten gemeinsamen Kassenerfolg mit Fassbinder erreichte sie mit dem Kinofilm Fontane Effi Briest (1974). Während man Hanna Schygulla in Deutschland noch als „Superstar der Subkultur“ bezeichnete, feierte man sie im Ausland bereits als „Vorstadt-Marilyn“. Von 1974 bis 1977 stand sie für zahlreiche Filme anderer Regisseure vor der Kamera: etwa in Falsche Bewegung (1974/1975) von Wim Wenders (1975 „Filmband in Gold“) und Ansichten eines Clowns (1975) von Vojtech Jasny. Volker Schloendorff, Hanna Schygulla, Bruno Ganz Pressetermin 29.09.81 Copyright: Virginia Shue, Hamburg starfotos@virginia-hamburg.de Hanna Schygullas erster großer internationaler Erfolg war der 33. Streifen Fassbinders Die Ehe der Maria Braun (1978). Dafür erhielt sie 1979 das „Filmband in Gold“ und wurde im selben Jahr bei der „Berlinale“ als beste weibliche Darstellerin mit dem „Silbernen Bären“ ausgezeichnet. 1979 trat sie an den „Münchner Kammerspielen“ auf. 1981 spielte sie die Hauptrolle in Fassbinders Film Lili Marleen, der das Leben der legendären Chansonsängerin Lale Andersen (1908-1972) schilderte. Nach dem Tod von Rainer Werner Fassbinder trat Hanna Schygulla in den 1980er Jahren erfolgreich in französischen, italienischen und amerikanischen Filmen auf. Man sah sie in Die Flucht nach Varennes (1981/1982) von Ettore Scola, Passion (1982) von Jean-Luc Godard, Antonieta (1982) von Carlos Saura, Die Geschichte der Pierea (1982) und Die Zukunft heißt Frau (1984) von Marco Ferren, Eine Liebe in Deutschland (1983) von Andrej Wajda und Heller Wahn (1983) von Margarethe von Trotta. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde Hanna Schygulla für ihre Rolle in Storia di Piera (Die Geschichte der Piera, 1983) ausgezeichnet. 1984 erhielt die „Frau des Jahres“ einen Bambi. 1984/1985 beteiligte sie sich in dem Fernseh-Mehrteiler Peter the Great (Peter der Große) erstmals an einer amerikanischen Produktion. Von der renommierten amerikanischen Zeitung „New York Times“ wurde Hanna Schygulla als „deutscher Weltstar“ gefeiert. „Time-Magazin“ bezeichnete sie 1985 als „Europas aufregendste Schauspielerin“. In den 1990er Jahren wirkte sie unter anderem in den Filmen Abrahams Gold (1990), Schatten der Vergangenheit (1991) und Der Daunenträger (1992) mit. Durch eine Anfrage des deutsch-französischen Fernsehsenders „arte“, ob sie für einen Themenabend über den Ersten Weltkrieg einige Lieder aus dieser Zeit singen möchte, kam Hanna Schygulla zur Musik. Der französische Film- und Theaterkomponist Jean-Mane Sénia, der hierfür das Repertoire erarbeitete, sagte zum Schluss, er habe Lust für sie zu komponieren, sie solle ihm Texte bringen. In der Folgezeit gab sie Liederabende in Theatern und sang Chansons nach Kompositionen von Sénia. Die 1,70 Meter große Hanna Schygulla ist unverheiratet und lebt in Paris. In einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erklärte sie, sie habe bereits als Kind nie von einem Hochzeitskleid oder von einer Familie geträumt. Die ganzen Eheverhältnisse, die sie gesehen habe, seien entweder lau und gewohnheitsmäßig, oder nichts als Kampf und Katastrophe gewesen. Quelle: Gelesen in http://www.beepworld.de Auszeichnungen 1978/79 Bundesfilmpreis und Silberner Bär für Die Ehe der Maria Braun. 1983 Darstellerpreis in Cannes für Geschichte der Piera. Ihr Name ist unumstößlich mit einem Mann verbunden: Rainer Werner Fassbinder. Er entdeckte und förderte sie, und bis heute hängt ein Foto von ihm in ihrem Schlafzimmer. Hanna Schygulla, 64, einst berühmt als Europas aufregendste Schauspielerin, ist ruhiger geworden, weiser. Und erinnert sich gern an die wilden Zeiten. WELT ONLINE: Was haben Fatih Akin und Rainer Werner Fassbinder gemeinsam? Hanna Schygulla: Fatih Akin hat auch diesen jugendlich unkomplizierten Schaffensdrang, und ich hoffe, der hält noch lang bei ihm an. WELT ONLINE: Ist Akin so etwas wie die Reinkarnation von Fassbinder? Schygulla: (Lacht) So viel haben die beiden nun auch wieder nicht gemeinsam. Fatih Akin hat selbst gesagt, dass er ganz anders drauf ist als Fassbinder. In gewisser Weise muss ich sagen: Gott sei Dank! Denn Fassbinder war ein sehr getriebener Mensch. Dagegen ist Fatih viel ausgeglichener und in seiner Liebesfähigkeit einfacher gelagert. WELT ONLINE: Sie haben es als einzige deutsche Schauspielerin auf den Titel des „Time Magazine“ geschafft. Wie haben Sie sich damals gefühlt? Schygulla: Ich habe gedacht, da ist mir etwas in den Schoß gefallen. WELT ONLINE: Haben Sie geglaubt, dass Sie diesen Ruhm noch nicht verdient hatten? Weiterführende Links Fatih Akin spricht jetzt ganz sanft zu uns Fatih Akin „Ich hatte sogar Zweifel an meinem Talent“ Deutschland schickt Fatih Akin ins Oscar-Rennen Akin macht einen Schritt hin zum Oscar „Globalisierung muss nichts Schlimmes sein“ Sein Film hat das Zeug zum Sieger Schygulla: Ja. Ich habe das als eine Nummer zu groß empfunden. Auf dem Titel war damals zu lesen, ich sei die aufregendste Schauspielerin Europas. Ich weiß wohl, dass ich irgendetwas habe, das mich von anderen unterscheidet. Aber man bekommt solche Attribute auch, um sie sich nachträglich zu verdienen. Ich weiß nur nicht, ob ich das noch schaffen werde… Das Foto selbst hat mir übrigens überhaupt nicht gefallen. Die hatten mir etwas ans Kleid gesteckt, das aussah wie ein Orden. Aber es war natürlich schon toll, im „Time Magazine“ zu sein. Ich dachte damals: Der Fassbinder hat sich das so sehr gewünscht, und jetzt ist es mir einfach so zugefallen. WELT ONLINE: Fassbinder wollte auf den Titel des „Time Magazine“? Schygulla: Ja, unbedingt! Er hat viel davon gesprochen, für mich kam das Titelbild dagegen vollkommen überraschend. WELT ONLINE: Sie haben sich selbst stets als „Anti-Star“ bezeichnet. Warum? Schygulla: Ich pendele zwischen den Welten. Mal gebe ich den Star, mal die Frau von nebenan, und da herrscht wirklich ständig Pendelverkehr… (lacht). Für mich ist es aber wichtig, ein Mensch wie du und ich zu bleiben. WELT ONLINE: Das heißt, Sie führen Ihren Haushalt selbst? Schygulla: Ja, natürlich. Ich möchte nicht auf einem Podest stehen und mich bedienen lassen. Das würde mir die Möglichkeit nehmen, Nähe zu Menschen zu empfinden. WELT ONLINE: Sie waren das Sexsymbol des deutschen Kinos. Die Männer müssen Ihnen zu Füßen gelegen haben, und die Frauen wahrscheinlich auch. Schygulla: Sie sagen ja selber: waren. Mit 64 Jahren kann man kein Sexsymbol mehr sein. Das wäre lächerlich. Natürlich kann man als Frau der Erotik auch in diesem Alter noch zugetan sein, aber diese direkten Sexanspielungen sind irgendwann überholt. Indirekt spielen kann man damit allerdings immer noch. WELT ONLINE: Flirten Sie gern? Schygulla: Ja, aber die Gelegenheiten sind nicht mehr so häufig. WELT ONLINE: Das glaube ich Ihnen nicht. Schygulla: (Lacht) Das Flirten muss ja nicht schnurgerade zum Ziel führen. Was ist Flirten überhaupt? Sich gegenseitig mitteilen, dass man sich genießen kann? WELT ONLINE: Würden Sie sich wünschen, noch einmal dreißig zu sein? Schygulla: Ja, vielleicht. Ich würde mir aber nicht wünschen, noch einmal zwanzig zu sein. Denn dann müsste ich mich damit herumschlagen, welchen Weg ich gehen soll. Das stelle ich mir heutzutage sehr schwierig vor. Als wir jung waren, stand uns die Welt noch offen. Ich wäre gern noch einmal jung, um das Kind zu bekommen, das ich nie bekommen habe. Wenn ich etwas bedauere, dann das. Mir würde es auch genügen, zehn Jahre jünger zu sein. Im Inneren fühle ich mich jung geblieben, ich bin zu Experimenten aufgelegt und nicht festgefahren. Aber seinem Körper kann man nichts vormachen, er zeigt das wahre Alter. Wenn ich lange gesessen habe, muss ich erst einmal dezent die Muskeln durchschütteln. WELT ONLINE: Sie haben gerade von Ihrem Kinderwunsch gesprochen. Von wem hätten Sie sich denn Kinder gewünscht? Schygulla: Es gab schon jemanden, aber es war mein Wunsch und nicht seiner. Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt, warum also noch lange darüber reden? WELT ONLINE: Viele Schauspielerinnen in Hollywood unterziehen sich irgendwann einer Schönheitsoperation. Haben Sie auch jemals daran gedacht? Schygulla: Nein. Ich lehne es ab, das Alter wegoperieren zu lassen. Eine Frau kann im Alter ihre zweite oder dritte Schönheit entfalten, Voraussetzung dafür ist allerdings eine gewisse Wahrhaftigkeit, eine Zufriedenheit, die sich einstellt: Weil du manches nicht mehr zu erleben brauchst, du hast es ja schon erlebt. Das Angenehme am Alter ist auch, dass man aus dem Konkurrenzkampf entlassen wird. WELT ONLINE: Sie haben immer noch ein Bild von Fassbinder in Ihrem Schlafzimmer hängen. Wie kamen andere Männer damit zurecht? Schygulla: Ich denke eben oft an ihn. Und das hat die anderen Männer in meinem Leben eigentlich nie irritiert. Ich meide die Eifersucht, denn sie führt zur Verengung. Ein bisschen Eifersucht ist ganz stimulierend, aber man muss damit spielerisch umgehen. Ich bin glücklich, dass ich mit diesem Gefühl nicht so geplagt bin. Denn eifersüchtige Menschen müssen immer mit einem Gefühl der Bedrohung leben. WELT ONLINE: Liegt es vielleicht auch daran, dass Fassbinder ein Mensch war, den man mit vielen anderen teilen musste? Schygulla: Ich glaube, ich habe einfach eine Begabung dafür, nicht eifersüchtig zu sein. Auch innerhalb des Fassbinder-Clans habe ich nicht so sehr darunter gelitten. WELT ONLINE: Sie konnten Fassbinder mit anderen Frauen und Männern ziehen lassen? Schygulla: Ja. Ich war in gewissem Sinne sogar froh, dass ich mich nicht total auf ihn einlassen musste. Fassbinder musste man gewachsen sein, und das war ich nicht in den ersten Jahren unserer Beziehung. Wer ihm nicht gewachsen war, ist schnell in dieses Sadomaso-Karussel hineingeraten. Das habe ich schon bei unserer ersten Begegnung gespürt: Der fasziniert mich, aber halte Abstand. WELT ONLINE: Ich habe das nie richtig begriffen: War Ihre Liebesbeziehung eine platonische oder eine körperliche? Schygulla: Es war platonisch. Ich sage immer, es war eine Liebe auf Umwegen. Wir haben unsere Liebe über die Filme ausgelebt. WELT ONLINE: Drogen spielten in den 70ern eine große Rolle. Waren Sie gefährdet? Schygulla: Ich habe damals auch so manches ausprobiert. Aber ich wusste, dass die Nüchternheit viel mehr Selbstbewusstsein bringt. Drogen suggerieren Allmacht, deswegen nimmt man sie ja auch. Es ist der Zweck dieses Ausfluges, zu entdecken, dass unser kleines Ich sehr viel größer sein kann. Energetische Drogen wie Kokain haben mich nie besonders angezogen, sie suggerieren, dass du endlose Energie hast. Diese Droge hat ja auch den Fassbinder so wahnsinnig erschöpft. Er hat natürlich etwas aus dieser Energie gemacht, aber gleichzeitig hat ihn die Droge ruiniert. WELT ONLINE: Was haben Sie früher in einem Mann gesucht, was suchen Sie heute? Schygulla: Mich zieht immer noch derselbe Typ Mann an, da hat sich nichts geändert. Mir haben immer schon wilde Typen gefallen, die gegen den Strom schwimmen und mich zum Lachen bringen. Ich mag Männer mit Sex-Appeal, die auf viele Frauen eine Wirkung haben. Ich mag Männer, die ihre weibliche Seite zeigen und keine reinen Machotypen sind. Als ich jung war, mochte ich Männer mit Autorität, aber wenn ich merkte, dass die Autorität hohl war, bin ich wieder weg. WELT ONLINE: Wer war die große Liebe Ihres Lebens? Keywords Hanna Schygulla Kino Film Stilikone Fassbinder Schygulla: In meinem Leben hat es mehrere Lieben gegeben, und in gewisser Weise waren sie alle groß. Aber vielleicht nicht groß genug, um ein Leben lang anzudauern. Bei meinem letzten Mann spielte mein Alter eine Rolle. Wenn man als Frau fünfzig wird, wechselt einen der Partner gern gegen eine Jüngere aus. Ich bin damals viel zwischen Paris und Deutschland gependelt, weil ich mich um meine Eltern gekümmert habe, und wenn man nicht zu Hause bei dem Mann ist, fangen die anderen Frauen an zu wirken. So war das damals ¿ leider. WELT ONLINE: Eine der treibenden Kräfte der Fassbinder-Zeit schien die Sexualität zu sein. Wie stark ist diese Kraft heute noch in Ihrem Leben? Schygulla: Das hat sich sehr beruhigt, wenn der eigene Körper anfängt zu welken, ist man nicht mehr so heiß auf Sex. Bei mir ist das jedenfalls so. WELT ONLINE: Mögen Sie Ihren Körper nicht mehr? Schygulla: Ich mag ihn nicht mehr dafür… (lacht). Das Gespräch führte Bettina Aust.

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