Martin Luther King

Martin Luther King - Textportrait Ralph Ueltzhoeffer
Titel: „Martin Luther King“, Text Portrait von Ralph Ueltzhoeffer, Digitalprint (C-Print) auf Fotopapier auf Aludibond aufgezogen. (100 x 140 cm). Courtesy A. Poe, Blum Roberts, Exhibition No. 161-5, Ralph Ueltzhoeffer.

Martin Luther King, Portrait – Textportrait: Ralph Ueltzhoeffer 2010 [DE] (Text: 20.09.10, Quelle: Wikipedia.org – Martin Luther King) Biographie: Martin Luther King, Jr. (* 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia; † 4. April 1968 in Memphis, Tennessee) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler. Er zählt in der weltweiten Öffentlichkeit zu den bedeutendsten Vertretern des Kampfes gegen soziale Unterdrückung und Rassismus […]

Texte zur Kunst:

Das Portrait im neuen Gewand (M. Weber)

Wurfkreuze hat Beuys in verschiedenen Aktionen verwendet, so z. B. in «und In uns … landunter» (Wuppertal, 5. Juni 1965). In «EURASIA SIBIRISCHE SYMPHONIE 1963 32 SATZ (EURASIA) FLUXUS» (Kopenhagen, 15. Oktober 1966) schob er kniend im Einleitungsmotiv «The Division offne Cross» zwei kleine auf dem Boden liegende Kreuze … bis vor eine Tafel. Auf jedes Kreuz wurde eine Uhr mit eingestelltem Klingelmechanismus gelegt. Auf die Tafel zeichnete er ein Kreuz, das er danach halb auswischte, darunter schrieb er «EURASIA».1 Zwei lateinische Wurfkreuze sind in unserer Skulptur mit einem zentralen Pflockkreuz vereint. Auf die Wurfkreuze sind zwei Stoppuhren mit einem Läufer, der mit der angehaltenen Zeit rennt, montiert. Während die Kreuzformen charakteristisch für Beuys‘ frühe Auseinandersetzung mit christlicher Ikonographie sind, mit Kreuzigung, dem Gekreuzigten und dem Kreuz als dem zentralen Ort der Konzentration polarer Kräfte, von Himmel und Erde, von Geist und Materie, von der durch den Menschen durchkreuzten Absicht Gottes, von Tod und Leben, sind die Stoppuhren spätere Zutaten im Geiste von Fluxus.

In die frühen 50er Jahre fällt aber auch Beuys‘ Abwendung von der traditonellen Christusdarstellung, da «über diesen abbildenden Weg mit dieser Christusfigur das Christliche selbst nicht zu erreichen ist».2 Zu den Kreuzformen (Handkreuz, Sonnenkreuz, Kreuzobjekt, den Symbolen der Erlösung, der Auferstehung), die zunehmend dynamischer werden, weil der Körper des Gekreuzigten selbst zum Kreuze wird, treten die Pflockund Wurfkreuze, die «viel eher die Vorstellung von heidnischen als von christlichen Kulthandlungen (beschworen)».3 Beuys reaktiviert im Zeichen des Kreuzes die Energien der ältesten Waffen, des Wurfholzes, des Wurfstockes, der Wurfkeule des Bumerangs, des Wurfmessers, ja des Pflockkreuzes als Scheinleben beendendes Instrument in der Vampirsaga. Die Evolution wird gedehnt, dem «Christusimpuls» werden neue Energien zugeführt und der heutigen Zeitmessung entgegengesetzt im Vereinigungswillen getrennter Dimensionen, von Ratio und Intuition, oder wie im Kontext der Aktion von Europa und Asien Eurasien, der getrennten Hälften des einen Kreuzes.

Die frühe Bronzeplastik kann als autonomes Werk betrachtet werden oder als formgewordene mythisch-archetypische Gestalt mit ihren Korrespondenzen und Polaritäten im Gesamtwerk. Anlässlich des Ankaufs des 2. Gusses von 1971 durch die Deutsche Bank und der Übergabe als Leihgabe an die Städtische Galerie im Stadel in Frankfurt hat Klaus Gallwitz dem Werk eine längere Betrachtung gewidmet: «Der ‚Bergkönig‘ ist ganz offensichtlich ein gewesener König. Seine zweiteilige Gestalt gleicht einem vorgeschichtlichen Fundstück, aus dem man die Ähnlichkeiten mit menschlichen Körperteilen erst nach und nach zu entziffern lernt: Rumpf, Arme und ein abgetrennter Kopf, der in seiner massiven zylindrischen Form an eine Krone denken lässt, vielleicht auch an einen Kompass. Das Bildwerk ähnelt einem bruchstückhaften, präparierten Fossil mehr als einem Artefakt…

Der wie eine Landschaft flach aufgewölbte Korpus gibt sich in seiner bestimmenden Ansicht von oben als Abdruck zu erkennen und erhebt keinerlei Anspruch auf eine geformte, aufgebaute Plastik. Beuys selbst beharrt auf dieser merkwürdig ‚verformten‘ Oberfläche… Ausserdem entspricht das assoziative, Zufälle bewusst einbeziehende Reagieren dem Denkund Arbeitsprozess von Beuys. Eine modellhafte Idee wird für ihn immer wieder durch ganz ortsund zeitgebundene Erfahrungen geprüft und beeinflusst.

Die Abweichungen und Anreicherungen bestimmen zuletzt die Aussage erheblich. Auch das Kopfstück ist eine Irritation für sich: Seine Plazierung ist keineswegs festgelegt. Im Gegenteil, allzu leicht gerät der Kegelstumpf ins Rollen ein tatsächlich vom Rumpf getrennter Kopf. Hohl ist die eine Partie, die andere massiv: offensichtlich beweglich und darum auch vielfältiger in möglichen formalen und inhaltlichen Beziehungen als der ruhende, ein wenig teigige rechteckige Körper. Die Mehrdeutigkeiten dieser Arbeit springen also gleich ins Auge, und es besteht kein Zweifel, dass Beuys mit Absicht diese Spannungen herstellt, die sich wie in einem elektrischen Magnetfeld aufbauen und im Wechsel ständig austauschen und verändern. Polaritäten bestimmen von Grund auf das künstlerische Denken von Beuys. Konkave und konvexe Formen gehören dazu, ebenso wie die Vorstellungen von Hügel und Tal, von Positiv und Negativ, von Kern und Schale.

Die Oberfläche der Bronze erscheint einmal landschaftlich organisiert, durchsetzt von anatomischen und technischen Kleinformen. Diesem organischen Prinzip stehen stereometrisch geformte Partien mit grosser Entschiedenheit zur Seite…

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2 Antworten zu “Martin Luther King

  1. Pingback: VERZEICHNIS Portrait

  2. Hat dies auf KUNST MAGAZIN rebloggt und kommentierte:

    Die japanische zeitgenössische Kunst analysiert oder kritisiert nur selten die Welt; Bedrohungen durch Naturgewalten, Kult und Tradition sind eher Anlaß zur künstlerischen Auseinandersetzung als zivilisatorische Probleme.

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